Die Badlwandgalerie

ist ein besonderes Wahrzeichen der Steiermark. In einer topografisch herausfordernden Lage wurde hier in den Jahren 1843/44 auf 367 Metern Länge von kühnen Ingenieuren und auf opferungsvollen Arbeitern der Anschluss der Steiermark an die Weltmärkte erkämpft. Der Bau des Doppelviaduktes für Bahn und Straße in der, an dieser Stelle extrem engen Mur-Trasse, war ein strate gisches Zukunftsprojekt, mit dem Erzherzog Johann persönlich den Beweis antrat, dass die Alpen für die Bahn kein Hindernis darstellten.

 

Prototyp für die Semmeringbahn

Damals grenzte diese Vision ans Phantastische und längst war der
Strecken verlauf der Südbahn nach Triest bereits über die ungarischen Ebenen projektiert, die wirtschaftspolitischen Claims aufgeteilt. Kraft seines Willens und seiner wirtschafts politischen Weitsicht gepaart mit der erfinderischen Intelligenz des Ingenieurs Carl Ritter von Ghega hatte der Landespatron und Wirtschaftspionier Johann von Österreich auf eine riskante Alternative gesetzt: Noch gar nicht entwickelte, hochleistungsfähige Lokomoti ven sollten auf künstlichen Trassen ungeheure Steigungen und Abgründe bezwingen lernen. Das Ergebnis der hochfliegenden technischen Träume steht heute als Semmering-Bahn unter UNESCO-Weltkulturerbe-Schutz. Aber dieses singuläre Monument einer landschaftsverliebten Ingenieursbaukunst wäre möglicher weise nie entstanden, hätte man nicht zuvor an der Mur den logistischen baukonstruktiven und produktionstechnischen Test bestanden. In Rekordzeit wurde bei gigantischer Mobilisierung von Arbeitskräften und Baustoff en ein Bauwerk von denkbar höchster Ausführungsqualität errichtet. Die in den Felsen hinein geschlagene und im Bett der Mur gegründetete sogenannte Badlwandgalerie bewies aller Welt, welche einmalige Chance der bautechnisch entwickelte Kunstbau für die Vernetzung der alpinen Regionen mit der Welt bedeutet.

 

Quelle: Denkmal-Steiermark | Verein für Denkmalpflege in der Steiermark

 

Bedeutung

Die Badlwandgalerie stellt den „ältesten Bahnkunstbau dieser Größenordnung in Österreich“ dar (Dehio) und gehört technikgeschichtlich zu den eindrucksvollsten Kunstbauten des österreichischen Eisenbahnwesens. Durch die doppelte Wegführung (oben Straße, unten in der Galerie die Eisenbahn) stellt es ein einmaliges eisenbahngeschichtliches Zeugnis dar und bildet
das europaweit letzte noch erhaltene derartige Baudenkmal.